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Norwegen erleben – mal anders

Norwegen erleben – mal anders

Zwei Radfahrer vom TSV Harburg Rehafit beim Rennen von Trondheim nach Oslo über 540 km dabei

„Styrkeprøven“ ist norwegisch für „Kraftprobe“ und das Rennen von Trondheim nach Oslo trägt nicht zufällig diesen Namen! Ca. 2600 Radsportamateure aus ganz Europa nahmen in der Mittsommernacht 2011 die Strapazen dieses Rennens auf sich. Bei dieser „Kraftprobe“ handelt es sich um  den  wohl bekanntesten Radmarathon Europas, der dieses Jahr in der 45. Ausgabe ausgetragen wurde und über 540 km von Trondheim nach Oslo führt – ohne Unterbrechung und Pause versteht sich! Von Trondheim ab geht es zunächst 170 km lang stetig bergan bis zum höchsten Punkt der Strecke, den Dovrefjell. Die restlichen 3400 Höhenmeter verteilen sich  auf kurze Anstiege ab Lillehammer, das die Radfahrer nach 370 km durchqueren, bevor sie die letzten 140 km auf nahezu ebener Strecke ins Ziel rollen. Die Fahrzeit ist auf 43 Stunden begrenzt, wer länger braucht, wird nicht gewertet. Dabei erfolgt die Zeitmessung ohne Unterbrechung, d.h. während allfälliger Essens- oder gar Schlafpausen läuft die Uhr stets weiter. Besonders kritisch und unberechenbar sind dabei die norwegischen Wetterverhältnisse in den vergangenen Jahren gewesen, denn obwohl der Termin immer mit dem Sommeranfang zusammenfällt berichten viele Starter der letzten Jahre von kräftigem Regen und Temperaturen nahe am Gefrierpunkt.

Mit von der Partie waren dieses Jahr der Hans Göttler und Thomas Kopp vom TSV Harburg Rehafit. Für beide war das erklärte Ziel zunächst anzukommen, aber beide wuchsen bei guten Wetterbedingungen ohne Regen und in angenehmen Temperaturen ohne nennenswerten Gegenwind schier über sich hinaus: Der fünfzigjährige Hans Göttler legte die 540 km in 19 Stunden und 10 Minuten zurück, was bedeutet, dass er im Durchschnitt 28,25 km/h schnell pedalierte und etwa zwei Stunden Pause machte. Sein Vereinskamerad Thomas Kopp (45 Jahre alt) konnte sogar noch ein bisschen drauflegen, er absolvierte Tour  in 18 Stunden und 16 Minuten, also mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 29,55 km/h und einer Stunde und zehn Minuten Pause. Alle, die wissen, was es bedeutet, ein Fahrrad über eine gewisse Zeit lang in diesen Geschwindigkeiten zu bewegen,  können sich wohl kaum vorstellen, dass dies auch über eine so  lange Strecke und ohne Erholungspause gelingen kann! Für die Stärke der beiden Harburger sprechen auch ihre Einzelplatzierungen unter den besten 30 Prozent: Hans Göttler belegte Rang 1023, Thomas Kopp sogar Rang 860! Damit beiden Athleten dieses Traumergebnis gelingen konnte, war es nötig, gut zusammenzuarbeiten und sich mit anderen Einzelfahrern abschnittsweise zu Teams zusammenzuschließen, denn sonst wäre es wohl kaum möglich, diese Geschwindigkeit einigermaßen kräftesparend zu fahren.

Bei so einem Rennen ist nicht nur die Teilnahme selbst, sondern auch die Trainingsvorbereitung eine große Herausforderung, denn beide Extremradfahrer waren seit Beginn des Jahres 2011 bei nahezu jeder Witterung im ganzen Landkreis auf dem Rad zu sehen. Mit 6000 km Trainingsleistung bei Göttler und 7000 km bei Kopp konnte dieses Jahr fortgeführt werden, was im Jahr 2010 bereits begonnen hatte – beide nahmen im Juli letzten Jahres am 24-Stunden-Rennen von Kelheim teil, um erste Witterung für solche Extrembelastungen aufzunehmen (wir berichteten).  Für eine gute Erholung wird es nun wichtig sein, genügend zu essen, aktiv zu regenerieren und die Dauerbelastung langsam und allmählich abzubauen – beide werden also sicher auch in der nächsten Zeit wieder im ganzen Landkreis radeln, allerdings nach dieser bravourösen Leistung sicher etwas entspannter!